AnkhIntro
Betäubt
“Das war die letzte Verwarnung, Ankh!” schnaubte Ossof und drohte mit dem, was vom Hocker übrig geblieben war, nachdem die Mukengi diesen als Knüppel genutzt hatte. In Wahrheit waren es sch8n zwei Verwarnungen über der letzten. Um die Halbfüchsin verteilt lagen vier Söldner des schwarzen Skorpions, vor Schmerz stöhnend oder bewusstlos. Noch immer hielt Ankh die rothaarige Kämpferin am geflochtenen Pferdeschwanz fest, welche dumm genug war, auf die gestichelten Pöbeleien anzuspringen. Die beiden Orkbrüder und der bullige Menschenkerl lagen verteilt im Schankraum. Mit ihrer Zunge spürte Ankh im Mundraum, ob alle Zähne noch an Ort und Stelle waren. Sie schmeckte Blut. Rotkopf konnte zwei gezielte Schlänge an ihr Kinn landen, ehe sie die Angreiferin mit einem Hocker über den Schädel, ins Land der Träume geschickt hatte.
Eben jener Hocker, besser die halbe Sitzfläche und ein Bein, wirbelte nun vor ihrem Gesicht. Ossof, der zwergische Wirt der ‘Letzten Tränke’ wiederholte seine Worte: “Hoy, hast du verstanden? Ich schmeiß dich raus! Du kannst dir deinen Streit und deinen Alkohol woanders suchen!” Die Mukengi spuckte das Gemisch aus Blut und Speichel auf den Boden vor sich, zog die Luft scharf ein und griff zum Dolch, den einer der Orksöldner während der Prügelei in die Tischplatte versenkt hatte. Der Zwerg wich zurück: „ Ich ruf die Wachen, ich warne dich!“
„Reg dich ab,“ schnauzte die Mukengi genervt und schnitt mit einem Zug, die rote Zopffrisur ihrer Gegnerin ab, sodass die Bewusstlose neben ihre Partner zu Boden schlug. „Trophäe“ erklärte die Fuchsfrau mit einem dünnen Lächeln und knotete sich die Haare an den Gurt. „Bekomm ich noch was zu trinken mit auf dem Weg?“ streckte sie ihm dann die leere Flasche aus getrockneter Kaktusschale entgegen und schüttelte leicht, als ob sie beweisen wollte, dass diese leer ist.
„Wenn du dich dann sofort verpisst!“ knurrte Ossof und griff nach der Flasche. „Scheiße, wie erklär ich, dass hier vier Skorpione zusammengefaltet wurden?“ Während der Zwerg ihr mehr von dem fermentierten Kaktussaft nachfüllte, durchsuchte Ankh mit raschen Fingern die Beutel und Gürtel der verprügelten Söldner und steckte ein, was sie einem Wert bemessen konnte, bevor sie zwei Gold für Ossof auf die schmale Theke ablegte, ihre Kaktusfalsche griff und sich gen Ausgang wandte. „Wenn du so weitermachst, find ich dich in ein paar Tagen tot in der Gosse, Mädchen. Und ich meine nicht das Saufen.“ hörte sie noch das Gemurmel des Wirts, als die Mukengi die ausgefransten Stoffplanen beiseite fegte und in die Hitze des Tages trat.
Die Hitze schlug härter ins Gesicht, als die Söldnerin im Zweikampf zuvor und schwarze Flecken tanzten vor Ankhs Augen, als das grelle Sonnenlicht von den kalkweißen Wänden zurückgeworfen wurde. Nun spürte sie auch, die Schmerzen im Körper, an den Stellen, an denen sie eben getroffen wurde und spuckte ein weiteres Mal aus. Kleine schwarze Punkte tanzten vor ihren Augen, die rasende Wut und der Kampfrausch ließ nach. Schon schraubte sie den Verschluss ihrer frisch gefüllten Flasche auf und spülte mit Alkohol nach.
„Warum machst du das? Was bringt es dir?“
„Es betäubt.“
„Nach all der Zeit? Wie lange willst du so noch weiterleben?“
„Was soll ich denn sonst tun?“
„Irgendwann gerätst du mal an die falschen Typen und dann…“
„Dann ist es so. Lass mich in Ruhe.“
„Nur, wenn du dich selbst in Ruhe lässt. Oder such dir einen anderen Kick. Tauch mal wieder unter den Sand.“
„Alleine?“
„Du bist seit Jahren allein unterwegs. Seit wann stört dich das?“
„Weißt du, was ich jetzt gerne wäre?“
„Alleine?“
„Richtig. Hau ab!“
„Dann hör einfach auf, Selbstgespräche zu führen.“
Ankh schleppte sich in Richtung Osttor, nahe der Karawanserei am Markt hatte sie ihre Waffen und Schmuck weggeschlossen. Dort würde sie auch Vorräte auffüllen können, die über Alkohol hinaus gingen und dann die Stadt Richtung Osten verlassen. Alleine.
Diesmal waren es sechs Söldner, die ihr bei der Karawanserei auflauerten. Nicht vom schwarzen Skorpion, sondern von den ‚falschen Götzen‘, wie die pissgelben Tüchern an den Gurten zeigten. Wann habe ich mich nochmal mit denen angelegt? schoss es Ankh durch die Gedanken, als der Hüne gegenüber ihr die Faust ins Gesicht drückte, während zwei andere Feiglinge sie festhielten. „Das ist für Ishad und Ayla, du Fuchsschlampe!“ erklärte er zwischen den Hieben, wenig hilfreich. Als ob ich mir die Namen merke, wollte sie antworten, da schoss ein angewinkeltes Knie in ihren Bauch und nahm ihr Luft und Worte. Dann zieht es auch durch, dachte sich Ankh, als der nächste Hieb sie hart an der Schläfe traf und in den trockenen Sand schickte.
Es hilft nicht. Aber es betäubt.
Ankh kam wieder zu Bewusstsein, da ihr jemand den Kopf hielt und Flüssigkeit einflößte. Kein Wasser und erst recht kein Alkohol. Sie hustete auf, als der bittere Trank in der Kehle brannte. „Gut, gut. Alles trinken, ja?“ schnarrte die Stimme des Schattens, der über ihr gebeugt stand. „Hilft, Heilt. Ja? Sollst frisch aussehen, wenn du vor Herr Falavas stehst, Ja.“ Die Zunge der Mukengi war schwer und die Worte kamen durch die benebelten Gedanken, aber nicht über die Lippen. Was will Favalas denn jetzt noch von mir? Das letzte Geschäft lag Monate zurück.
„Könnt ihr stehen, ja.“ Nun erkannte sie auch den in helle Tücher gewickelte Kopf des Hobgoblins, der sie mit Heiltrank und Schatten versorgt hatte. Kishem? Kirrhem? Sie war nicht gut mit Namen. „Sollten euch sauber machen, ja.“ Plapperte der Hobgoblin weiter und schaute sich um: „Waffen geklaut?“ – „Weggeschlossen,“ schnaubte Ankh mit rauem Rachen. Der andere grinste: „ Gut gedacht. Ja. Holen wir und dann kommt. Zeit. Zeit.“
Mühsam rappelte sich den Mukengi auf, auch wenn das Gesöff Wirkung zeigte, ihr ganzer Körper schmerzte noch nach. „Was habt ihr mit dem Pissgesindel gemacht, die mich nieder machen wollten?“ Das Grinsen des Hobgoblins blieb breit: „Verjagt. Die lassen euch in Ruhe. Ja. Solange ihr mit Herrn Falavas im Geschäft seid.“
„Danke für die Rettung… Kishem?“
„Shahim.“
„Nah genug… also danke, aber ich habe kein Interesse daran in nächster Zeit durch die Wüste zu streifen. Hat Falavas nichts von den Sandstürmen mitbekommen? Nur Wahnsinnige wagen sich alleine da raus.“
„Erstens; ihr seid wahnsinnig verzweifelt genug, ja. Und zweitens werdet ihr nicht allein sein.“ Das Grinsen wurde breiter.
Die Fuchsohren zuckten merklich.
Ach verdammt!